Von der „Schlüsselfigur“ bis zum „Arschgeweih“

Museumsleiter Stefan Müller und Ausstellungsmacher Hans Helter (v.l.) zeigen zwei der über 50 skurrilen Gestaltungen aus der Sammlung, die unter dem Titel „Wortglauberei – Hans Helter Hintersinnig“ ab 28. Juli 2022 im Sonderausstellungsraum „Haus Becker“ im Mosbacher Stadtmuseum zugänglich wird. Foto: frh

Sonderausstellung „Wortklauberei – Hans Helter hintersinnig“ im Mosbacher Stadtmuseum eröffnet.

Mosbach. (frh) Es dürfte eine der skurrilsten Sonderausstellungen sein, die jemals im Mosbacher Stadtmuseum platzgefunden haben. An und für sich dient das Museum für Ausstellung mit Bezug zur Stadtgeschichte. Bei der Ausstellung „Wortklauberei – Hans Helter hintersinnig“ wird dieser Bezug jedoch lediglich über die Person des Ausstellungsmachers selbst hergestellt, der seit vielen Jahren für die Mosbacher Druckwerkstatt aktiv ist. Gezeigt werden über 50 Objekte, in denen Worte und Begrifflichkeiten in einer ganz anderen Art „gegenständlich“ gemacht werden.

Zur Ausstellungseröffnung begrüßte der Leiter des Mosbacher Stadtmuseums, Stefan Müller, am Donnerstagabend im Unteren Rathaussaal. Publikum war so reichlich erschienen, dass nahezu gar kein Sitzplatz mehr frei blieb. Noch ausführlicher als sonst und wie gewohnt wortgewandt begrüßte Müller die Eröffnungsgäste. Und konnte mit Rupert Laible einen musikalischen Gestalter des Rahmenprogramms ankündigen, der an sich eher die Hauptteile gut besuchter Konzerte in der Region verkörpert.

Jann näherte sich in seinem Beitrag den im Ausstellungstitel enthaltenen Begriff der „Wortklauberei“. „Kreativität steckt einfach in ihm!“, stellte er in Bezug zu dem Ausstellungsmacher Hans Helter aus Schefflenz heraus. Der aus Obrigheim stammende Helter hat exakt denselben Namen wie ein in Mosbach ansässiger Physiotherapeut, der selbst auch bei der Ausstellungseröffnung zugegen war. Schon früher waren durch die Namensgleichheit einige Verwechslungen entstanden. Michael Jann schloss in seinen Dank für die Verwirklichung des Projekts auch die vielen Ehrenamtlichen Museumshelfer/innen ein und wünschte, dass das Stadtmuseum weiterhin viel Unterstützung aus dem Rathaus erhält.

Der neue Kulturamtsleiter der Stadt Mosbach, Thomas Kazianka, nutzte die Gelegenheit, sich selbst „hintersinnig vorzustellen“. So band der Österreicher seine Erfahrungen aus Salzburg mit in eine Beschreibung des Charakters der Ausstellung ein. „Es ist eine Herausforderung für mich“, beschrieb er seine neue Aufgabe und skizzierte die günstigen Rahmenbedingungen der Großen Kreisstadt, in die sich so vieles einbinden lasse. „Mosbach ist gesegnet mit Historie, Fachwerk und Kultur“, hob er hervor. Mit Kreativität, wie sie eben in den Objekten Helters zum Ausdruck kommt, wolle er eben dieses Potenzial zur Geltung bringen. Die Zusammenarbeit mit dem von Stefan Müller geführten Stadtmuseum sei dafür ein wesentlicher Faktor, zeigte Kazianka auf.

„Ich fummle schon lange an solchen Dingen herum“, beschrieb Hans Helter selbst seine Sammlung. Exemplarisch wurden einige der Ausstellungsstücke als Fotos medial projiziert. Wie flexibel interpretierbar die deutsche Sprache ist, wenn man sie vom verfestigten Wortsinn löst, zeigte Helter anschaulich auf. Welchen Unterschied auch Rechtschreibung – insbesondere die Groß- und Kleinschreibung – bisweilen in ausformulierten Sätzen machen kann, illustrierte Helter mit einigen humorvollen Beispielen. Wie würde man sich etwa „Stempel-Geld“ oder „ein Buch mit sieben Siegeln“ dem Wortlaut nach vorstellen? Wie wäre es beim Ausspruch „Sein Wort geben“?

„Es wird mit unseren Bildern im Kopf gespielt“, versuchte Stefan Müller noch etwas näher zu charakterisieren, was Hans Helter mit seinen Basteleien bewirkt. Die Machart, die Materialien und die Themenfelder könnten dabei unterschiedlich0er kaum sein. „Sie sind vieles, aber niemals bissig oder gar bösartig!“, stellte er heraus. „Wenn ich jemand ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnte, wäre es mir die Mühe schon wert gewesen!“, unterstrich Hans Helter. Im Anschluss wurde eingeladen, sich durch die Altstadt in den nahe gelegenen Sonderausstellungsraum im „Haus Becker“ des Stadtmuseums in der Hospitalgasse 4 zu begeben.


Info: Zugänglich ist die Sammlung „Wortklauberei – Hans Helter hintersinnig“ regelmäßig mittwochs und sonntags 15 bis 18 Uhr. Die Ausstellung läuft im Sonderausstellungsraum „Haus Becker“ des Mosbacher Stadtmuseums in der Hospitalgasse 4 voraussichtlich bis zum 2. Oktober 2022.