„Krieg auf europäischem Boden betrifft jeden von uns!“

Vor der europäischen und der ukrainischen Flagge wird bei der Mosbacher Mahnwache den Opfern des Kriegsgeschehens gedacht. Foto: privat / zg

Mahnwache zum Ukraine-Krieg – Stadtrat Frank Heuß sprach zur Bedeutung freier Medien für die Demokratie.

Mosbach. (pm/frh) Seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine kommt in Mosbach jeden Samstagmittag eine Mahnwache zusammen. Dazu ruft ein breites Bündnis von Parteien und Wählervereinigungen auf. Regelmäßig werden dabei andere mit dem Geschehen in Zusammenhang stehende Aspekte in den Blick genommen. So ging es dieser Tage um die Bedeutung von freien Medien für die Meinungsbildung in einer Demokratie.

Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnte Kreisrätin Lena-Marie Dold (Bündnis90/Grüne) am Château-Thierry-Platz willkommen heißen. Es war bereits die 23. Zusammenkunft der Mosbacher Mahnwache. „Wir stehen hier, um den Opfern des Krieges ein Gesicht zu geben“, beschrieb sie die Intention, die während der Ferienzeit fortgesetzt würde, weil eben auch das Kriegsgeschehen unvermindert weitergeht und unschuldige Menschen sterben.

Maren Fütterer las aus dem aktuellen Buch „24. Februar. Und der Himmel war nicht mehr blau“ der ukrainischen Schriftstellerin Valeria Shashenok. In dem Werk werden die traumatischen Erlebnisse von Menschen in der Ukraine geschildert, als der Krieg über ihr Land hereinbrach. Die authentische sprachliche Schilderung ließ es am Château-Thierry-Platz still werden.

Stadtrat Frank Heuß (SPD), der als freier Journalist tätig ist und auch Mosbacher-Zeitung.de herausgibt, sprach bei der Mosbacher Mahnwache zum Ukraine Krieg. Thema war die Bedeutung freier Medien für die Demokratie. Foto: privat /zg

„Weil dieser Krieg auf europäischem Boden einfach jeden von uns betrifft“, bekräftigte Frank Heuß gleich eingangs seiner Ausführungen. Der Stadtrat und freie Journalist rückte die Rolle der Medien in den Fokus. „Einige Reporter haben in diesem Kriegsgeschehen ihr Leben gelassen oder riskieren es täglich“, beschrieb er. Den Auftrag, unabhängig recherchierte Informationen zu den Menschen zu bringen, zeigte er jedoch als außerordentlich wichtig auf.

Mit Sorge sprach Frank Heuß auf die Situation seiner journalistischen Kolleginnen und Kollegen in Russland an. Zunehmend gerieten unabhängige Presseorgane dort unter den Druck möglicher Konsequenzen, die weit über reinen Einkommensverlust hinausreichen könnten. „Die meisten von uns haben eine Gesellschaft ohne freie Medien nie erlebt“, rief Heuß in die Runde. Eben deshalb solle man „mit Urteilen über die Menschen in Russland vorsichtig sein. Wir wissen alle nicht, was wir sagen oder tun würden, wenn das unsere Realität wäre!“, mahnte der Sozialdemokrat.

Er glaube daran, dass Russland den „Weg zurück in die Gemeinschaft der Völker“ eines Tages finden werde. Das werde aber nur möglich sein, wenn die „Akzeptanz für eine freie, unabhängige und ungeteilte Ukraine“ sichergestellt ist, schloss Frank Heuß seinen Redebeitrag ab.

Im Anschluss erinnerte Lena-Marie Dold an das Schicksal der Journalistin Oksana, die am 23. März bei Dreharbeiten in einem Wohngebiet von Kiew ums Leben kam. Symbolisch wurde für sie und die vielen weiteren Kriegsopfer eine Kerze entzündet.

Einmal mehr wurde für die Hilfsorganisation „Vostok SOS“ mit der deutschen Partnerorganisation „Libereco“ Spenden gesammelt. Eben weil „der Krieg auch keinen Urlaub macht“, wurde direkt zur nächsten Zusammenkunft der Mosbacher Mahnwache eingeladen. Diese kommt regelmäßig samstags am Château-Thierry-Platz zwischen Sparkassen- und Volksbankfiliale, direkt am Eingang der Mosbacher Altstadt, um 12 Uhr am Mittag zusammen. Ggf. kurzfristige Änderungen werden in der Tagespresse sowie im Internet bekanntgegeben.