„Wir brauchen Hightech an den Schulen!“

Der Präsident der neugeschaffenen ZSL Baden-Württemberg, Thomas Rieke-Baulecke (m.), kam auf Einladung von Schulleiter Jochen Herkert (l.) zu Besuch an das Nicolaus-Kistner-Gymnasium nach Mosbach. Foto: frh

Präsident des neu geschaffenen ZSL kam zu Besuch ans Nicolaus-Kistner-Gymnasium – Diskussion über Schulentwicklung in Baden-Württemberg.

Mosbach. (frh) „Die Unterrichtsqualität stetig zu verbessern“ ist die auf der eigenen Internetseite definierte Kernaufgabe des neu geschaffenen „Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung“ (ZSL) des Landes Baden-Württemberg. Dessen Präsident Dr. Thomas Riecke-Baulecke wirkte zuvor für das Pendant in Schleswig-Holstein, welches er dort über 15 Jahre aufbaute. Nun hat er eine ähnliche Aufgabe im Südwesten übernommen und soll die Schullandschaft auf ihre Stärken und Schwächen hin überprüfen. Um den Kontakt zur Basis herzustellen und sich einen unmittelbaren Eindruck zu verschaffen, kam dieser Tage beim Mosbacher Nicolaus-Kistner-Gymnasium (NKG) vorbei.

Empfangen wurde der ranghohe Gast aus Stuttgart vor Ort durch Schulleiter Jochen Herkert. Riecke-Baulecke nahm am NKG vormittags an mehreren Unterrichtsstunden verschiedener Fächer und Klassenstufen teil. Im Anschluss standen Gesprächsrunden mit dem Lehrerkollegium sowie mit der Direktion und dem Digitalisierungsbeauftragten, Oberstudienrat Dominik Diemer, auf dem Programm. Am Nachmittag lud das NKG zu einer Stuhlkreis-Diskussion unter dem Titel „Herausforderungen für das Gymnasium“ mit Vertretern des Personalrats, der Schülermitverantwortung (SMV) sowie der Elternschaft. Gesprochen wurde dabei sowohl über die gegebene Situation der Gymnasien nach zwei Jahren Corona-Pandemie, als auch über weitergehende Ansätze für die Zukunft.

Wo „der Schuh drückt“ und wo Verbesserungspotenzial gesehen wird, erfuhr der ZSL-Präsident aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Selbst gab er Einblick in seine Ideen, Vorstellungen und Planungen. Das ZSL soll schließlich – ausgehend vom Kultusministerium der Landesregierung – ein strategischer Dreh- und Angelpunkt in der Weiterentwicklung der Schullandschaft in Baden-Württemberg werden. Entsprechend engagiert und gut vorbereitet gingen schließlich auch die Diskutanten zu Werke, nachdem Schulleiter Jochen Herkert im großen Musiksaal des NKGs die Anmoderation abgeschlossen hatte. Die Schülervertretung eröffnete dabei direkt mit dem großen Thema der Digitalisierung.

„Wie papierlos wird der Unterricht der Zukunft sein?“, startete die Schülervertretung direkt im Feld der Digitalisierung. So ganz eingleisig wollte Riecke-Baulecke die Fragen gar nicht beantworten, die darauf zielten, wie weit der Einsatz digitaler Medien in der Schule gehen sollte. „Wir haben in Deutschland die Digitalisierung verschlafen!“, stellte er zunächst fest. „Wir brauchen Hightech an den Schulen!“, forderte er übereinstimmend mit der Schülerschaft. Allerdings schränkte er aus pädagogischen Aspekten heraus auch ein: „Die Vielfalt macht Schule aus. Es sollte nicht so sein, dass zukünftig nur noch mit digitalen Medien unterrichtet wird“, so Riecke-Baulecke.

Der Elternbeirat, für den u.a. Tanja Bayer in der Runde saß, sprach nicht auf die Klassengrößen an, deren Reduzierung sinnvoll sei. Bayer ist auch Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der Stadt Mosbach und wusste entsprechend aus weiterem Blickwinkel heraus zu berichten, was die Eltern umtreibt. Für den Personalrat des NKGs ging Gymnasiallehrerin Simone Schaupp auf die vielen Tätigkeiten ein, die eine Lehrkraft neben ihrem eigentlichen Kernaufgaben erfüllen muss. Ferner sprach sie auch die organisatorischen Hintergründe von Referendarausbildung sowie Lehrerfortbildungen an. „Wir hatten zwei Jahre eine Ausnahmesituation“, unterstrich Thomas Riecke-Baulecke und forderte dabei mehr Anerkennung für lehrende Berufe und deren Leistungen, zumal in Krisensituationen. „Wir müssen Bürokratie reduzieren. Die Regelungen dürfen nicht immer komplizierter werden!“, so der ZSL-Präsident.

Insgesamt resümierte Thomas Riecke-Baulecke einen durchweg positiven Eindruck vom NKG. „Wesenskern der Schule ist Kommunikation und Diskussion. Das hat mir hier am NKG sehr gut gefallen!“, stellte er heraus. Und nahm sich im Anschluss auch noch die Zeit für bilaterale Gespräche insbesondere mit den Schülervertretern, die während der Diskussionsrunde angesichts zahlreicher Wortmeldungen nicht so oft zum Zuge kamen.