Glaube und Fastnacht rückten enger zusammen

Die Aktiven der KG „Neckario“ im Anschluss an den traditionellen Fastnachtsgottesdienst vor dem Ökumenischen Zentrum in der Waldsteige Neckarelz. Foto: frh

Fastnachtsgottesdienst der KG „Neckario“ im Ökumenischen Zentrum.

Neckarelz. (frh) Schon von der Corona-Pandemie bedingt war die Fastnachtszession in diesem Jahr sehr eingeschränkt. Mit dem 24. Februar und der Nachricht von der Invasion russischen Militärs in die Ukraine kam noch einmal eine völlig neue Komponente hinzu, welche die Frage nach einem kompletten Abbruch aufkommen ließ. Dass das aber nicht den Fastnachtsgottesdienst im Ökumenischen Zentrum (ÖZ) in der Waldsteige in Frage kam, bekannte der Vorsitzende der KG „Neckario“, Klaus Brommer.

Ohnehin hatte man aber die meisten Aktivitäten, die vom ursprünglichen Plan her trotz der Pandemie erhalten blieben, bereits abgeschlossen. Am Samstagabend feierte ein etwa 45-minütiges Fastnachtsvideo, das eine Prunksitzung mit einigen karnevalistischen Beiträgen nachstellt, seine Premiere auf der Internetplattform „YouTube“. Ferner gab es einen Verkaufsstand für Fastnachtsgebäck vor der Bäckerei Mayer an der Bahnhofsstraße. Alles, was am Wochenende noch offen war, ist lange vorbereitet gewesen und bewegte sich ganz im Sinne dessen, was jetzt in den Mittelpunkt gerückt sei: „Hilfe, Bitten und Beten für die Ukraine!“, erklärte Brommer. So kam man am Sonntag im ÖZ zusammen und feierte gemeinsam mit den beiden großen christlichen Konfessionen den schon traditionellen Fastnachtsgottesdienst in ökumenischer Form.

Dass dabei die traditionelle Fastnachtstracht nicht fehlen durfte, erklärte sich von selbst. Nicht zuletzt für die Kinder der Mini-Garde und dem weiteren närrischen Nachwuchs kam so wenigstens noch ein kleines Stück Freude hinzu – gleichwohl in Verbindung mit eben auch dem beten für Menschen, denen es gerade viel schlechter geht. In diesem Sinne eröffneten Zelebrantin Barbara Dieterle für die katholische und Prädikantin Dr. Dorothee Schlegel für die evangelische Seite den karnevalistisch bunten und vielfältigen Gottesdienst.

Enthalten war dabei eine Lesung aus dem Buch Jona, welche die Aktiven der Neckario gestalteten. Mit den sprachlichen Fertigkeiten von Karnevalisten um Präsident Martin Husfeldt, seiner Vizin Pia von Hülsen sowie der Kapitänin der vereinseigenen Schautanzgruppe „Just for Fun“, Corinna Reichert, gelang eine ansprechende Lesung. Nicht zuletzt die kleinen Gottesdienstbesucher folgten der biblischen Geschichte gebannt, über die sich so viele Bezüge auch zur heutigen Lebensrealität ableiten lassen. Durch das „Dunkle“ zu gehen, sich auch mal zu verirren und mit göttlicher Hilfe wieder zurück ins „Licht“ des Lebens zu finden, lässt sich trefflich auch mit der Fastnacht als der „vierten Jahreszeit“ assoziieren, die traditionell zwischen Winter und Frühling verortet ist.

In den Fürbitten, bei denen sich ebenfalls die Neckario-Aktiven aller Altersklassen einbrachten, ging es ganz wesentlich um die aktuelle weltpolitische Lage. Das Bitten um Frieden und eine bessere, mit Freude gesegnete Welt, ist den Karnevalisten seit jeher mit höchstem internationalen Bezug wichtig. So Stand man auch im Anschluss an den Gottesdienst noch eine ganze Weile im Außenbereich vor dem ÖZ zum einen oder anderen Gespräch beisammen.