Für den Frieden auf die Straße gegangen

In europäischer Solidarität mit der Ukraine kam die Mahnwache am Mosbacher Stadteingang zusammen. Foto: frh

Mahnwache setzte ein Zeichen gegen Krieg in der Ukraine.

Mosbach. (frh) „Stop Putin – Stop War“ (Stoppt Putin – Stoppt Krieg“) konnte man auf beschriebenen Kartonschildern lesen, die junge Leute hochhielten. Die blau-gelbe Farbkombination dominierte am Mittag des Samstags auf dem Château-Thierry-Platz vor dem Volksbankgebäude eingangs der Mosbacher Altstadt. Rund 200 Menschen hatten sich hier zu einer Mahnwache anlässlich des Krieges in der Ukraine versammelt. Dass man Solidarität üben möchte mit den Menschen, die unmittelbar mit dem ersten Angriffskrieg auf europäischem Boden seit Ende des Zweiten Weltkrieges konfrontiert sind, machten schon die musikalische Einleitung mit einem Anti-Kriegs-Song deutlich.

„Wir kommen hier heute als Teil der europäischen Gemeinschaft zusammen. Die Ereignisse der letzten Tage in der Ukraine lassen uns alle gemeinsam nicht los und wir sind zutiefst betroffen“, rief Grünen-Kreisrätin Lena-Marie Dold in die Menge. Kurzfristig hatten die Partei der Grünen im Neckar-Odenwald-Kreis und ihre Jugendorganisation zu der Mahnwache aufgerufen. Unter den Teilnehmern waren auch mehrere Stadt- und Kreisräte sowie Oberbürgermeister Michael Jann.

„Was bringt so eine Mahnwache?“, warf Klaus Brauch-Dylla als erster Redner eine rhetorische Frage auf. Es seie wichtig, „Zeichen zu setzen“, damit sichtbar wird, „nicht alleine“ zu sein. Sinnbildlich dafür hatte er sich eine Europa-Flagge umgehängt. Dass es keineswegs nur um das Schicksal der Ukraine geht, sondern um den Frieden als Europas höchstes Gut insgesamt, führten die von mehreren Personen nacheinander verlesenen Interview-Schnipsel vor Augen. Sie dokumentieren Empfindungen der betroffenen Zivilbevölkerung, die dieser Tage in den internationalen Medien erschienen. Gedruckt auf Redekarten in blauer und gelber Farbe, die beschwert mit kleinen Steinen am Boden ausgelegt wurde, entstand symbolisch eine Flagge der Ukraine am Mosbacher Stadteingang.

Für Arno Meuter steht der 24. Februar 2022 – der Tag des Beginns der russischen Invasion in die Ukraine einschließlich deren Hauptstadt Kiew – für das Ende der „Generation Frieden“, der er selbst angehört. „Unfassbar privilegiert aufgewachsen“ wären junge Menschen durch das friedliche und freundschaftliche Zusammenwachsen Europas. Angesichts des schönen Scheins sei aber bei gegenläufigen Entwicklungen zu oft „weggeschaut“ worden, stelle er heraus. „Sind wir ehrlich. Wenn wir jetzt Sanktionen aussprechen, um die Kriegskasse Putins zu leeren, müssen wir nicht lange nach der Antwort suchen, wer sie überhaupt erst gefüllt hat“, so Meuter.

Stadtrat Andreas Klaffke, Kreisvorsitzender der Grünen, wollte Russland jedoch nicht auf dessen Präsidenten personifiziert wissen: „Meine Bewunderung gilt den Menschen, die es in St. Petersburg, Moskau und anderswo gewagt haben, gegen Putins Angriffskrieg auf die Straße zu gehen!“, proklamierte er. Und erhielt dafür reichlich Beifall, der primär den von ihm angesprochenen „mutigen russischen Oppositionellen“ gegolten haben dürfte.

Mit den Klängen von Bob Dylans bekannten Song „Blowin’ in the Wind“ aus den Lautsprechern endete die Kundgebung. Die Besorgnis aber blieb noch lange spürbar. Viele Gespräche, wie der Konflikt denn nun kurz-, mittel- oder gar langfristig weitergehen wird, schlossen sich an. Die Antworten dürften derzeit aber selbst in der höchsten Politik nur wenige mit fundierten Anhaltspunkten absehen können. Spenden wurden im Anschluss für die ukrainische Hilfsorganisation „Vostok SOS“ gesammelt. Eingegangen sind dabei laut den Veranstaltern über 1.500 Euro.

„Es könnte sein, dass wir demnächst noch öfter hier stehen“, gehen Lena-Marie Dold und Arno Meuter unisono davon aus, dass es auch in Mosbach weitere Mahnwachen „für Solidarität mit der Ukraine und eine friedliche Welt“ geben werde. Bereitschaft zur überparteilichen Zusammenarbeit ist dafür bereits signalisiert worden.