Schulen erhalten „geistige Nahrung“ der Wissenschaft

Der Mosbacher Politikwissenschaftler und Stifter PD Dr. Hans Günter Brauch. Foto: frh

Hans Günter Brauch Stiftung leistet Buchspenden an Gymnasien im Landkreis.

Mosbach. (frh) In einem relativ „kleinen Haus mit großer Bibliothek“ konnte Privatdozent Dr. Hans Günter Brauch dieser Tage die Aktivitäten seiner Stiftung „für Frieden und Ökologie im Anthropozän“ vorstellen. Es ist sein eigenes Wohnhaus in der Alten Bergsteige, das später einmal zum Stiftungshaus werden soll. Um die 40.000 Bände umfasst die dortige private Bibliothek des hochdekorierten Politologen und Friedensforschers, der einst u.a. an den US-Eliteuniversitäten Harvard und Stanford lehrte.

„Global denken, lokal handeln“, hat Hans Günter Brauch zum zentralen Motto seiner Stiftung erklärt. Es gehe ihm darum, dass möglichst viel von seiner Arbeit als Politikwissenschaftler für die neuen Generationen erhalten bleibt und fortgeführt wird. Direkt in seinen Eingangsworten bezog er sich dabei auf die „Generation Greta“ – die Initiative „Fridays for Future“, deren Gesicht die Schwedin Greta Thunberg ist. Dass ihn der Einsatz so vieler junger Menschen weltweit für eine lebenswerte Zukunft und gegen den Klimawandel beeindruckt, daraus machte er keinen Hehl. Schließlich befasst sich der Friedensforscher, der im heutigen Mosbacher Stadtteil Reichenbuch geboren wurde, schon nahezu sein gesamtes berufliches Leben mit dem „von Menschen gemachten Klimawandel.“

„In diesem Raum hat sich Nobelpreisträger Paul Crutzen in das Goldene Buch der Stadt Mosbach eingetragen“, erinnerte er sich in dem Besprechungszimmer seiner Bibliothek. Es gehe letztlich darum, „geistige Nahrung“ für die jungen Menschen bereitzuhalten, damit sie den für ihre Zukunft grundlegenden Fragen mit wissenschaftlichem Fundament nachgehen können. „Eine Bibliothek stirbt, wenn keine neuen Bücher mehr kommen“, stellte Hans Günter Brauch darauf bezogen heraus. Eben deshalb wolle er die Stiftung noch zu seinen Lebzeiten so aufbauen, dass immer wieder neue Werke angeschafft werden können.

Die ersten Schritte hin zu einem „Haus des Wissens“ sollen mit der Einführung von Schülerpreisen gemacht werden, die 2022 erstmals zur Vergabe vorgesehen sind. 2023 soll dann ein Wissenschaftspreis folgen. Dass Hans Günter Brauch trotz der Beschaulichkeit Mosbachs ein hohes Niveau anstrebt, wird in der geplanten Aufstellung einer internationalen Jury von ranghohen Akademikern deutlich.

Damit aber eben dieses fachliterarische Wissen auf aktuellem Stand auch in die Schulen selbst kommt und das Recherchieren ermöglicht, fördert die Brauch-Stiftung auch Schulbibliotheken. So konnten an das Auguste-Pattberg-Gymnasium (APG) in Neckarelz, an das Nicolaus-Kistner-Gymnasium (NKG) in Mosbach, das Burkhardt-Gymnasium in Buchen sowie das Ganztagesgymnasium in Osterburken umfangreiche Buchspenden im Wert von jeweils etwa 750 Euro übergeben werden.

Davon trug die Stiftung aus eigenen Mitteln je 200 Euro, die Restwerte kamen durch Förderung der Stadt Mosbach bzw. den Landkreis Neckar-Odenwald als Schulträger sowie dem Lions-Club Madonnenland zusammen. Für die Schulen im Stadtgebiet Mosbach waren die Schulleiter Dr. Thomas Pauer (APG) und Jochen Herkert (NKG) vor Ort gekommen.

„Von Beginn an fasziniert“ von dem Projekt bekannte sich Landrat Dr. Achim Brötel. Eine „Gewaltige Aufgabe“, liege aber dennoch vor der Stiftung, weil der Umfang von Bibliothek und Archiv des Stifters von so großem Umfang sei. Die Unterstützung für die Umsetzung der Pläne sagte auch Oberbürgermeister Michael Jann gerne zu, der ebenfalls von einer „logistischen Herausforderung“ sprach. Bernhard Bischof unterstrich als Vorsitzender des Lions-Clubs Madonnenland, dass man von der Idee überzeugt sei und sie gerne fördere.

Als Verbindungsmann zu den Schulen fungiert der frühere NKG-Schulleiter Hans Happes im Stiftungsvorstand. Er betonte, dass es unter Jugendlichen viel Interesse an politischen und den Klimaschutz betreffenden Themenfeldern gibt. Der frühere Landtagsabgeordnete Georg Nelius berät den Stiftungsvorstand seit Sommer diesen Jahres und wird auch den Vorsitz eines im Aufbau befindlichen Kuratoriums übernehmen.  Die noch im Anfangsstadium befindliche Stiftungsarbeit hält er für bereits „auf einem guten Weg“ befindlich.

Für Mosbach könnte sich daraus eine eine außergewöhnliche Chance ergeben: Der in Fachkreisen weltweit bekannte Name des Stifters PD Dr. Hans Günter Brauch könnte es ermöglichen, dass die Große Kreisstadt im ländlichen Neckar-Odenwald als Standort auf der Landkarte der Politikwissenschaft bundesweit und sogar international auftaucht. Auf der englischsprachigen WebSite der Stiftung (erreichbar unter www.hgb-stiftung.org , das deutschsprachige Pendant unter www.hgb-stiftung.de , externe Links), die von Thomas Bast betreut wird, ist schon heute das Mosbacher Rathaus direkt neben dem UN-Hauptquartiert zu sehen. Eben ganz im Sinne des Mottos der Stiftung: „Global denken, lokal handeln!“