Franz Müntefering sprach über Leben im Alter

Kreisräte/innen sowie Landrat Dr. Achim Brötel (r.) mit dem ehemaligen Vizekanzler und SPD-Parteivorsitzenden Franz Müntefering (4.v.l.) Foto: frh

Ehemaliger Vizekanzler referierte zum Auftakt der Kommunalen Pflegekonferenz im Neckar-Odenwald-Kreis.

Mosbach. (frh) Namhafter hätte ein politischer Gast zur Eröffnung der Kommunalen Pflegekonferenz im Neckar-Odenwald-Kreis kaum sein können. Franz Müntefering – u.a. ehemaliger Vizekanzler, mehrfacher Bundesminister und SPD-Parteivorsitzender – hielt in der Alten Mälzerei einen Impulsvortrag und nahm anschließend an einer Podiumsdiskussion teil. „Gezielt auf diesen Tag hingearbeitet“ hätten viele Organisatoren im Landratsamt, unterstrich Landrat Dr. Achim Brötel in seiner Ansprache zur Eröffnung vor um die 140 angemeldeten Besucher/innen. Diese hatten sich unter „2G-Regeln“ (nur geimpfte und genesene Personen) eingefunden.

Dass man gar nicht alle öffentlichen und parteipolitischen Ämter von Franz Müntefering aufzählen konnte, lag dabei auf der Hand. Der heute 81-jährige kann eine sehr ausgiebige politische Laufbahn bis in die höchsten Positionen Deutschlands zurückblicken. So war er u.a. Bundesminister für Arbeit- und Soziales sowie Vizekanzler im Kabinett Angela Merkel. In der SPD war er u.a. Generalsekretär und auch in zwei Zeitabschnitten Parteivorsitzender. Dem Bundestag gehörte er 32 Jahre an. „Was für ein politisches Leben!“, fasste Landrat Brötel würdigend zusammen. Unter den Gästen konnte er mehrere Bürgermeister und Kreistagsmitglieder begrüßen.

In seinen Impulsvortrag stieg Franz Müntefering zunächst mit einem allgemeinen Blick auf das „Älter werden in dieser Zeit“ ein.  Durch seine bekanntermaßen rhetorische Begabung wusste Müntefering, auch nüchternes statistisches Zahlenmaterial in spannende Zusammenhänge einzuordnen. Und dabei wurde schnell deutlich, dass er nicht wirklich etwas „verlernt“ hatte, was es betrifft, in den richtigen Momenten auch sprachlich Akzentuierungen zu setzen, die zu Applaus im Saal führten.

„Ja, natürlich fühle ich mich alt“, bekannte sich Müntefering ganz unumwunden. „Aber ich will ja auch alt werden!“, fügte er mit dem ihm eigenen Humor hinzu. Dass eben „Zeit die Währung der Alten“ sei, gelte letztlich unabhängig von der vorherigen beruflichen Laufbahn. „Nicht nur den Tank leer fahren“, dürfe der Zweck des vermeintlichen Ruhestands sein. Die Jahre sollte man nutzen und dabei aktiv bleiben. Bewegung spiele eine besonders wichtige Rolle, aber auch, weiter zu lernen und immer wieder miteinander zu reden. Ebenso sollte pflegende Angehörige sich an Pflege eben nicht unbegrenzt „aufopfern“ und auch ein eigenes Leben bewahren.

In einem bunten Potpourri ging Müntefering auf eine Vielzahl von Teilbereichen rund um Leben im Alter und nicht zuletzt auf die Pflege als Berufsfeld ein. Als heutiger Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen konnte Müntefering viele Aspekte aufgreifen, die sich aktuelle in der politischen Diskussion befinden, um die vorhandenen Rahmenbedingungen zu verbessern. Für seinen über einstündigen Vortrag erhielt Franz Müntefering lange anhaltenden Beifall.

Im Anschluss verlief unter der Moderation von Friederike Kroitzsch vom SWR-Rundfunk eine Podiumsdiskussion. Daran nahmen neben dem Impulsredner sowie Landrat Brötel auch Cornelia Friedrich als Geschäftsführerin eines privaten ambulanten Pflegedienstes, Renate Baudy vom Wohnprojekt Henschelberghof und mit Angelika Griem auch eine pflegende Angehörige Teil. Facettenreich wurden dabei die aufgeworfenen Fragestellungen vertieft. Ein „Mark der Möglichkeiten“ im Foyer der Alten Mälzerei umrahmte die Veranstaltung.

In ihrem Schlusswort dankte Sozialdezernentin Renate Körber dem von weit her eigens mit der Bahn angereisten Referenten. „Sie haben Mut gemacht. Ihre klare und verständliche Sprache ist bei Politikern nicht immer selbstverständlich!“, rief sie Franz Müntefering unter Beifall zu. Aus den Händen von Landrat Dr. Achim Brötel gab es für den gebürtigen Sauerländer noch eine „Odenwälder Schlemmerkiste“ als kleines Präsent mit auf den Weg.