Bewegung als „Schlüssel für alles“ begreifen

Offiziell vorgestellt wurde der „Bewegungspass“ für Kindertageseinrichtungen im Neckar-Odenwald-Kreis im Kommunalen Kindergarten Waldsteige in Neckarelz. Gekommen waren Vertreter des landesweiten Netzwerks, aus der kommunalen Verwaltung sowie von Vereinen und Organisationen. Foto: frh

Programm „Bewegungspass“ soll das gesunde Aufwachsen der Kinder fördern.

Mosbach. (frh) Studien haben ergeben, dass die motorische Entwicklung von Kindern insgesamt nachlässt. Die „moderne“, motorisierte und digitalisierte Welt sorgt für Bewegungsmangel mit weitreichenden Spätfolgen. Die Corona-Krise tut ihr Übriges dazu. Dass aber die Werte im ländlichen Raum Baden-Württembergs noch alarmierend schlechter ausfallen als in großstädtischen Ballungsgebieten, vermag zu überraschen. Grund genug, mit dem Projekt „Bewegungspass“ im doppelten Wortsinne gegenzusteuern, das dieser Tage auch im Neckar-Odenwald-Kreis vorgestellt wurde.

Bezogen auf das bei Einschulungen erfasste Datenmaterial konnte Landrat Dr. Achim Brötel feststellen, der Landkreis beim Anteil übergewichtiger Kinder „2017 bis 2019 jeweils über dem Landesdurchschnitt“ gelegen habe. Selbst wenn man in Bezug auf andere Gesundheitsdaten im Vergleich zu ähnlich ländlich strukturierten Gebieten recht gut abschnitt, habe das doch für die Kommunale Gesundheitskonferenz einen Anlass gegeben, die thematischen Schwerpunkte entsprechend auszurichten. „Letztlich ist Bewegung der Schlüssel für alles“, betonte Brötel. Und das setzten die Kinder des Kommunalen Kindergartens Waldsteige Neckarelz bei der Vorstellung des neuen Programms bereits mit einer musikalischen Begrüßung um, die sich „Köperteile-Blues“ nannte.

Oberbürgermeister Michael Jann sprach für die Stadt Mosbach als Träger der Einrichtung und gleichzeitig auch aus der aktuellen Erfahrung als Vater eines Kindes im Vorschulalter. Er unterstrich die Notwendigkeit, Bewegung schon in frühem Alter zu fördern und die Begeisterung, die sich dadurch bei Kindern entfachen lasse. „Jetzt schon bin ich überzeugt, dass es ein tolles Projekt wird“, zeigte er sich durchweg zuversichtlich.

Die Initiative entstand gemeinschaftlich durch die Kommunale Gesundheitskonferenz des Landkreises, die Große Kreisstadt Mosbach und die AOK Rhein-Neckar-Odenwald. Für Letztere war mit Susanne Engelhardt die Leiterin des Mosbacher AOK-Kundencenters gekommen. Adaptiert wurde das Konzept „Bewegungspass“ von der Landeshauptstadt Stuttgart, wo es bereits seit einigen Jahren erfolgreich angewandt wird, wie es deren Projektleiter Andreas Mündörfer zu berichten wusste.

Gemeinsam mit Melanie Rudolf, Leiterin der Geschäftsstelle der Kommunalen Gesundheitskonferenz beim Landratsamt, stellte Mündörfer das Konzept vor. Rudolf sprach dabei auch für ihre Kollegin Jennifer Amend, die als Gesundheitsmanagerin bei der Stadt Mosbach tätig und bereits als „Multiplikatorin“ für das neue Bewegungskonzept ausgebildet ist.

In dem handlichen Begleitheft – dem eigentlichen „Bewegungspass“ – sind mehrere kleine, leicht umsetzbare Fitnessübungen gelistet und nach Tiernamen in der Art des Trainings gruppiert. Mitgebracht hatte Andreas Mündörfer auch eine große, prall gefüllte Sporttasche, die jede teilnehmende Einrichtung erhalten soll. Darin finden sich von Bällen über Federballschläger bis hin zur Koordinationsleiter allerlei Übungsmaterialien. Die bisherigen Daten zeigten im Vergleich zu anderen ländlichen Regionen im Land, die mehr Rückstand zu den Ballungszentren aufweisen, dass man „hier gut aufwachsen kann“, so Mündörfer. Potenzial zur Steigerung gebe es aber auch – insbesondere da, wo die Kinder überwiegend mit Autos zu den Kindergärten gebracht werden.

„Kindern Freude an Bewegung zu vermitteln und somit positive Erlebnisse zu schaffen, ist uns ein wichtiges Anliegen“, versicherte Elke Dossinger als Leiterin des gastgebenden Kindergartens. Rund 70 Kinder werden hier in der Waldsteige aktuell betreut. Ähnlich motiviert dürften nun auch viele weitere Kindertageseinrichtungen dem neuen Anstoß zu (noch) mehr Bewegung entgegensehen.

Infokasten: Mehr Informationen zum „Bewegungspass“ lassen sich auf der Internetseite der Initiative unter https://www.bewegungspass-bw.de abrufen.