Trägerinnen des Aachener Friedespreises zu Gast

Friedensaktivistinnen, die den Aachener Friedenspreis 2021 erhielten, konnte Dipl.-Theologe Thomas Lorenz (2.v.l.) zu einem Vortrag am Neckarelzer Auguste-Pattberg-Gymnasium begrüßen. Foto: APG /zg

Am Auguste-Pattberg-Gymnasium stellten Friedensaktivistinnen aus Nigeria den „Women´s Interfaith Council“ vor.

Der folgende Beitrag ist eine zugesandte Pressemitteilung, die eventuell redaktionell nachbearbeitet wurde. 

Neckarelz. (pm/red) Aus dem mehr als 6.400 Kilometer entfernten Nigeria waren sie angereist: Schwester Veronica Onyeanisi, Elizabeth Abuk und Hajia Daharatu Ahmed Aliyu, drei couragierte Frauen aus dem Bundesstaat Kaduna im Norden des westafrikanischen Landes. Sie gehören zum „Women´s Interfaith Council“ (WIC) einem Zusammenschluss aus 23 christlichen und muslimischen Frauenverbänden. Etwa 12650 Frauen engagieren sich in dieser Initiative, die seit 2010 besteht und sich einsetzt für eine Überwindung der interreligiösen Spannungen in ihrem Heimatland.

Nigeria, das bevölkerungsreichste Land Afrikas, besteht aus einem überwiegend muslimischen nördlichen und einem überwiegend christlich geprägten südlichen Teil. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen ethnisch-religiösen Konflikten, die bereits eine große Zahl von Opfern gefordert haben.

In der Kursstufe 1 des Auguste-Pattberg-Gymnasiums (APG) in Neckarelz berichteten die drei Frauen von der Situation in ihrem Heimatland, in dem sie selbst bereits leidvolle Erfahrungen gemacht haben. „Two religions always cause conflicts“, erklären die drei Nigerianerinnen, und sie sind überzeugt: „The answer to any conflict is not war but dialogue.“ Dieser Friedensmission haben sie sich verschrieben und sie zu ihrer Lebensaufgabe gemacht, und in dieser Überzeugung kümmern sie sich in ihrer Heimat um Opfer religiöser Auseinandersetzungen, leisten emotionalen Beistand und organisieren – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – Kleidung, Nahrungsmittel und Medikamente.

„We give priority to the women and girls“, betonen die drei Gäste aus dem westafrikanischen Land, denn vor allem Frauen sind häufig die Leidtragenden von Auseinandersetzungen. „Women suffer most.“ Ihnen zu helfen, ihnen aber auch eine Stimme in der Gesellschaft zu verleihen, ist daher ein besonderes Anliegen des WIC. Frauen erhalten Anleitungen, um verschiedene Dinge selbst produzieren und verkaufen zu können. Kinder versorgt der WIC mit Schulbüchern und Schuluniformen.

Neben den Einsätzen zur Unterstützung unmittelbar Betroffener organisiert der WIC jedes Jahr ein umfangreiches Programm mit Workshops und Seminaren für Frauen und Jugendliche, aber sie bemühen sich auch darum, Religionsführer zu erreichen, weil sie Einfluss haben. Für den unermüdlichen und nicht immer ungefährlichen Einsatz wurde der WIC im September 2021 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet.

„We have a passion for peace“ (zu deutsch etwa „Wir haben eine Leidenschaft für den Frieden“), machen die drei Frauen denn auch bei ihrem Besuch im APG deutlich. Und es ist eben diese Haltung, mit der sie die Schülerinnen und Schüler beeindrucken, die im Anschluss an den Vortrag die Gelegenheit zur Diskussion mit den Gästen aus dem westafrikanischen Land intensiv nutzten. Diplomtheologe Thomas Lorenz, der die Veranstaltung organisiert hatte, dankte den Besucherinnen aus Westafrika herzlich für den informativen Vortag, der – wie die anschließende Diskussion – ausschließlich in englischer Sprache stattfand. Die Frauen des WIC bezeichnete er als „Vorbilder für Zivilcourage“ und als Beweis für die Einflussmöglichkeiten des Einzelnen.