„Corona-Kontakttagebuch“ an der Mosbacher DHBW entwickelt

Studierende der Mosbacher DHBW entwickelten eine App zur Nachverfolgung von Kontakten während der Corona-Pandemie. Foto: DHBW-Mosbach /zg

Studierende der Wirtschaftsinformatik entwickeln und gestalten App zur Kontakt-Nachverfolgung.

Mosbach. (pm/red) Vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Pandemie stellen Analyse und Nachverfolgung von Kontakten infizierter Personen eine wichtige Maßnahme zur Kontrolle des epidemischen Geschehens dar. Im Rahmen von Projektarbeiten an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach entwickelten die Studierenden der Wirtschaftsinformatik in kleinen Gruppen ein funktions­fähiges, web­basier­tes Anwendungssystem, wie eine Ergänzung zur Corona Warn-App prototypisch aussehen könnte.

Prof. Dr. Klaus-Georg Deck erklärt das Ziel des Seminars, das er zusammen mit seinem Kollegen Prof. Dr. Herbert Neuendorf im Frühjahr 2021 veranstaltete: „Die Studierenden bekamen eine Aufgabe, wie sie sie im späteren Berufsleben auch bekommen werden.“ Das hieß, die Kernaufgabe wurde gestellt, in diesem Fall, wie Gesundheitsämter bei der Kontaktnachverfolgung unterstützt werden könnten. Die Details mussten die Studierenden jedoch selbst festlegen: Welche Funktionen fehlen der offiziellen Corona-Warn-App, wie Kontaktdaten aus Restaurants oder von Unternehmenskantinen? Welche rechtlichen Grundlagen, beispielsweise beim Datenschutz, sind zu beachten? Wie kann eine solche Anwendung die Einreise aus einem Risikogebiet vereinfachen? Wie kann eine digitale Anwendung einer Einzelperson helfen, selbst Daten zu erfassen, um im Ernstfall verlässliche Informationen liefern zu können?

„Die Studierenden mussten ein funktionsfähiges, webbasiertes Anwendungssystem entwickeln und prototypisch umsetzen“, so Deck. Dass die Anwendung im Anschluss tatsächlich verwendet wird, stand dagegen nicht im Fokus. Vielmehr ging es darum, das systematische Herangehen an ein solches Projekt zu lernen. „Wir möchten die Studierenden zu forschendem Lernen und aktivem Erproben von Konzepten führen.” Von den studentischen Gruppen wurde im Rahmen des agilen Projektmanagements erwartet, einen vorgegebenen umfangreichen „Use Case“ zu analysieren und eigenständig durch ein selbstentwickeltes IT-System prototypisch umzusetzen. Dabei waren Fragen zu klären wie: Welche Nutzergruppen gibt es und welche Rechte in der Anwendung dürfen diese haben? Welche bestehenden Systeme können genutzt werden und wie kann eine Anbindung daran stattfinden?

„Die aktuelle Situation machte es dabei erforderlich, das gesamte Projekt durch reine Online-Kommunikation zu bewältigen – sowohl bezüglich des Projektmanagements als auch der technologischen Umsetzung“, so die betreuenden Professoren der DHBW Mosbach. „Angesichts der besonderen Herausforderungen sind die erzielten Ergebnisse bemerkenswert.“ Die App „Mein Corona Tagebuch“ beispielsweise kombinierte Daten von Kontaktpersonen, die der Nutzer manuell erfasst, mit Informationen über neue Regelungen offizieller Stellen, einer Berechnung des individuellen Ansteckungsrisikos und einer prototypischen Schnittstelle ins Gesundheitsamt, um die telefonische Kontaktnachverfolgung zu erleichtern. Die Studierenden lieferten nicht nur Idee, Layout und einen Prototypen, sondern auch eine Betriebsanleitung und ein kleines Einführungsvideo (https://youtu.be/g76ca6yWe38) – beides wichtige Aspekte im Projektmanagement, um die Akzeptanz einer solchen Anwendung zu erhöhen.

„Eine App-Version mit der Funktion, alle Daten immerhin lokal als TXT-Datei im Gerätespeicher zu downloaden, haben wir auch selbst installiert und an Freunde und Bekannte weitergegeben“, erklärt Tobias Müller für die Projektgruppe. „Die Anwendung kann in der prototypischen Version nur ohne Verbindung zu Gesundheitsämtern, also lokal auf dem Handy, genutzt werden.“ Bei ausgewählten Gelegenheiten tragen wir dann die eigenen Kontakte/Treffen dort auch ein oder nutzen die schnelle Link-Übersicht zu Inzidenzwert & Co.“ Auf der technischen Seite kamen dabei datenbankbasierte Anwendungssysteme, Client-Server-Architekturen sowie Cloud-basierte, mobile Systeme zum Einsatz. Die Studierenden konnten SAP „Netweaver“, „Java“, „Python“, „C#“ und aktuelle „Web-Frameworks“ verwenden.