Zusammenarbeit hat „neue Stufe“ erreicht

In einem Kooperationsvertrag besiegelten das Auguste-Pattberg-Gymnasium und die KZ-Gedenkstätte Neckarelz ihre Zusammenarbeit. Bei der Unterzeichnung durch die Vorsitzende des KZ-Gedenkstättenvereins, Dorothee Roos, sowie des APG-Schulleiters, Dr. Thomas Pauer (sitzenden v.l.), waren auch die projektbetreunde Gymnasiallehrerin Michelle König und Schülersprecherin Elina Dmitricenko (hinten v.l.). Foto: frh

APG und KZ-Gedenkstätte Neckarelz unterzeichnen Kooperationsvertrag.

Neckarelz. (frh) Eigentlich ist es nichts völlig Neues, was das Auguste-Pattberg-Gymnasium (APG) und die KZ-Gedenkstätte am Mittwoch schriftlich fixierten. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen reicht in seinen Ursprüngen über Jahrzehnte zurück. Richard Melling, der Lehrer an der heute nicht mehr existenten Hauptschule im selben Gebäude war, stellte die pädagogische Verbindung her, die wenig später unter dem damaligen APG-Schulleiter Hans-Peter Haas ausgeformt wurde. Mit einem Kooperationsvertrag besiegelte man die Partnerschaft am Mittwochnachmittag im Schulgebäude nun auch formal.

„Auf größere Füße gestellt“ habe man damit das beständige Miteinander, erklärte Schulleiter Dr. Thomas Pauer. Die Möglichkeiten, „dem Vergessen pädagogisch entgegenzuwirken“, ließen sich so noch steigern. Sein Dank galt neben der Vorsitzenden der KZ-Gedenkstätte, Dorothee Roos, auch Studienrätin Michelle König, die das Projekt als Geschichtslehrerin am APG federführend betreut. „Ohne Sie würde heute keine Vertragsunterzeichnung stattfinden“ unterstrich Pauer. In den Dank schloss er auch die Schülerschaft mit ein, für die Schülersprecherin Elina Dmitricenko gekommen war. Dass unter den APG-Schüler/innen bereits einige ausgebildete „Lotsen“ sind, die Besuchergruppe durch die Gedenkstätte führen, fand lobende Anerkennung.

Dorothee Roos knüpfte hier direkt an: „Dass die gesamte Schulgemeinschaft eingebunden ist, macht diese Partnerschaft aus“. Für die KZ-Gedenkstätte betonte sie, dass die Schule nicht nur räumlich „besonders nahe steht“. So fänden schon etwa acht Jahre regelmäßige gemeinsame Aktivitäten statt, die einige Aufmerksamkeit fanden, aber eben bisher nicht „in Paragrafen gegossen“ waren. Dass das APG als „Schule ohne Rassismus“ firmiere, sei „ein hoher Anspruch“, dem die Kooperation dienen soll.

Das Vertragswerk umfasst vier A4-Seiten, in denen eben die Zielrichtung konkretisiert wird. Vorgesehen sind u.a. regelmäßige Besuche und Projekttage der verschiedenen Klassenstufen an der Gedenkstätte. Ausgeformt werden dabei auch thematische Berührpunkte des Lernstoffes in mehreren Fächern. Ergänzend kommen Möglichkeiten des freiwilligen Engagements und dessen Förderung hinzu.

Neu sind, wie Roos herausstellte, die Ansatzpunkte im Bereich der Sprachenlehre. „Viele historische Quellen zum KZ-Außenlager Neckarelz sind nicht in deutscher Sprache“, merkte sie Bezüge etwa zur französischen Sprache an, welche über die Zugehörigkeit zum Komplex Natzweiler im Elsass entstehen. Ein Präventionstag zum Thema Extremismus für alle zehnten Klassen gehört ebenfalls dazu.

Die Kooperationsvereinbarung ist auf unbestimmte Zeit geschlossen und umfasst die Klassenstufen acht bis 13. Beginnend im laufenden Schuljahr 2020/2021 verlängert sie sich immer um ein Schuljahr, sofern nicht gekündigt wird. Dass letztere Option derzeit aber weit außerhalb der Betrachtung liegt, machten beide Seiten deutlich. Viel mehr sehe man „eine feste Verankerung der Inhalte“ im Programm des APG, bekräftigte Schulleiter Dr. Thomas Pauer. Und auch Dorothee Roos hielt fest, dass man mit der langjährigen Verbindung nun „eine neue Stufe“ erreicht habe.