Fast wie auf der „echten“ Schulbank

In einem „virtuellen Klassenzimmer“ im Internet erhalten die Schülerinnen und Schüler des NKGs ihren Fernunterricht mittels der App „GoToMeeting“ (hier eine Bildschirmaufnahme). Foto: frh

Fernunterricht im
 virtuelle Klassenzimmer  am Nicolaus-Kistner-Gymnasium bewährt sich.

Mosbach. (frh) Wegen Corona-Fälle in der Schülerschaft und zeitweise über 30 Lehrkräften in Quarantäne hatte das Mosbacher Nicolaus-Kistner-Gymnasium (NKG) in der 42. Kalenderwoche von Präsenzbetrieb komplett auf Fernunterricht umgestellt . Über Videokonferenzdienst „GoToMeeting“ saßen die Schülerinnen und Schüler aber trotzdem wie auf einer echten Schulbank zusammen. Die moderne Technik bewährte sich dabei wesentlich besser, als so manche erwartet hatten.

Ob sich die Schüler dafür über PCs, Notebooks oder Tablet-Computer „einloggten“, spielte keine Rolle, da es die GoToMeeting-App auf vielen Betriebssystemen gibt. Es wirkte in einer virtuellen Schulstunde fast so, als ob die Schüler direkt nebeneinander sitzen würden. Man hört und sieht alle Beteiligten über Mikrofon und Kamera. Was die Lehrkraft vermittelt, ist für alle „live“ so zu sehen, als würden sie direkt auf deren Computer-Bildschirm schauen. Nur ganz selten kommt es vor, dass einmal ein Kamerabild kurzzeitig nicht zu sehen ist oder unscharf erscheint – ob es an der Internetverbindung oder auch einfach am Server des Plattformbetreibers liegt, kann dahinstehen bleiben, da es meist bei wenigen Sekunden Ausfall bleibt.

Vorlesen üben, Lückentexte ausfüllen, Bildgeschichten beschreiben und vieles andere mehr läuft, ohne dass das Gefühl von Distanz hervortritt. Den einen oder anderen Vorteil, wie etwa nebenher noch etwas trinken, einen Müsliriegel zu essen oder sogar Kaugummi zu kauen, was im realen Schulraum meist streng verboten ist, hat das virtuelle Klassenzimmer in den eigenen vier Wänden auch noch inklusive.

Welche Schulform den jungen Gymnasiasten besser gefällt? Das wollten viele gar nicht so eindeutig beantworten, wo doch beides Vorteile habe. Das persönliche Sehen der Freunde und nicht zuletzt die Gespräche in den Pausen zwischen den Stunden sind für die meisten aber unersetzlich. „Es geht schon“, beschrieb es einer der Schüler, fügte aber direkt hinzu, dass man das doch „nicht nur noch“ so haben möchte, sondern „schon lieber wieder richtig in die Schule gehen“ würde.

Eine Schülerin führte aber auch den Vorteil ins Feld, dass sie zuhause sogar noch konzentrierter dem Unterricht folgen könnte, weil weniger Ablenkung durch die Mitschüler gegeben sei. Erreichbar ist dies dadurch, dass alle Teilnehmer ihr Mikrofon stummschalten, wenn die Lehrerin etwas erklärt – störende Nebengeräusche wie etwa tuschelnde Banknachbarn bleiben damit aus. Dass Letzteres aber nur gelte, soweit auch der heimische Arbeitsplatz frei von Störquellen ist, wissen die Lehrer/innen und Lehrer aber natürlich auch. Trotzdem ist es möglich, wie „in echt“ die Anwesenheit festzustellen und auch Leistungen zu prüfen, denn „die Fernlehre ist inzwischen dem Präsenzunterricht gleichgestellt“, wie NKG-Schulleiter Jochen Herkert zu betonen wichtig ist.

Kritisch sieht Herkert viel mehr, dass noch nicht alle Schülerinnen und Schüler mit adäquater Technik ausgestattet seien, um am Fernlernunterricht unproblematisch teilnehmen zu können. Obwohl es Förderprogramme gibt, würden diese bisher nicht ausreichend abgerufen. Das sei jedoch dringend nötig, um soziale Benachteiligungen in der Beschulung auszugleichen, betonte der NKG-Schulleiter nachdrücklich.

Bereits seit Schuljahresbeginn wird an Schulen in Baden-Württemberg im Allgemeinen nicht mehr auf zwei Armlängen Abstand im Klassenzimmer gesessen, wie noch zur „ersten Welle“ der Corona-Pandemie. Erst seit neuerlicher Zunahme der Infektionszahlen werden Masken im Unterricht getragen, die aber das Arbeiten merklich erschweren. Mit Abstandssitzordnung war der Unterricht vor den Ferien in einem „rollierenden System“ möglich, das vorsah, wechselweise eine Hälfte der Schülerschaft in Präsenz und die andere über Fernlehre zu unterrichten. Ansonsten würde der Platz in den Schulräumen regelmäßig nicht ausreichen.

Handlungsbedarf bestünde somit für den Präsenzunterricht in der Winterzeit, wo die Belüftung schwieriger wird, erörterte Jochen Herkert. Dafür stehe er bereits mit dem ortsansässigen Unternehmen KWM Weisshaar in Kontakt bezüglich Belüftungsanlagen für das Schulhaus des NKGs, die dem Infektionsschutz adäquate Luftreinigung ermöglichen sollen, ohne dafür frieren zu müssen, so Herkert.