„Wir mussten Schule von Woche zu Woche neu erfinden“

Zielgenau und präzise wird am Nicolaus-Kistner-Gymnasium auf die Corona-Krise reagiert. V.l.: Jochen Herkert, Marion Stoffel, Tobias Schölch, Andreas Klaffke. Foto: frh

Wie das Nicolaus-Kistner-Gymnasium die Corona-Krise überwindet.

Mosbach. (frh) Die Corona-Krise sorgt nicht zuletzt an den öffentlichen Schulen für weitreichende Veränderungen. So wurde auch das Nicolaus-Kistner-Gymnasium (NKG) mit immensen Herausforderungen konfrontiert. In kürzester Zeit musste ein funktionierender Mix aus Präsenzbetrieb und Fernlehre auf die Beine gestellt werden. Wie das gelungen ist, darüber informierte die Schulleitung dieser Tage in einem Pressegespräch.

„Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir auch in dieser Ausnahmesituation keine Schülerin und keinen Schüler zurücklassen wollen“, erklärt Schulleiter Jochen Herkert. Unter diesem Leitgedanken habe man dann auch das Konzept entwickelt. Dass es ein dynamischer Prozess wurde, sei der ständigen Änderung der Situation und der Vorschriften geschuldet gewesen: „Wir mussten Schule von Woche zu Woche neu erfinden“, so Herkert. Eine Aufgabe, die dem neunköpfigen Krisenstab am NKG zukam und sich nicht auf die an allen Schulen notwendig gewordenen Hygienemaßnahmen beschränkte. Letztere fallen bereits beim Betreten des Schulhauses auf, wo die Gänge ähnlich wie Straßen in Spuren zu mindestens eineinhalb Metern Abstand markiert sind.

„Ein wesentlicher Baustein unserer Krisenkonzeption ist die Support-Gruppe, die wir als Anlaufstelle eingerichtet haben“, so die stellvertretende Schulleiterin Marion Stoffel. Und deren Leiter, Oberstudienrat Andreas Klaffke, sorgt mit seinem Team dafür, dass auftretende Probleme mit den Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern praxisnah gelöst werden. Wie vielfältig diese sein können, machten die Beispiele der täglichen Anfragen deutlich. Es seien eben nicht in jedem Haushalt die Voraussetzungen gleich, stellt Klaffke heraus. Etwa bei der Technik, die man für das „Home-Schooling“ benötigt, müssten Nachteile ausgeglichen werden. „Es soll niemand abgehängt werden“, betont er. Von „erheblicher Mehrarbeit“ für die Lehrkräfte weiß Tobias Schölch als Vorsitzender des Personalrats zu berichten. Das Kollegium habe diese mit viel Einsatzbereitschaft umgesetzt.

Eine „Netiquette“ regelt das Verhalten untereinander mit gegenseitiger Rücksichtnahme im Fernlernunterricht. Schulleiter Herkert merkt dazu an, dass die Corona-Krise einige Lücken bei der Digitalisierung im gesamten Bildungssystem aufgedeckt hat, für die auf Bundes- und Landesebene finanzielle Mittel verfügbar wären – diese Gelder zukünftig mehr abzurufen, sei Aufgabe der Schulträger. Zuletzt hat vielfach die Privatwirtschaft ausgeholfen, die etwa Software für Videokonferenzen kostenfrei zur Verfügung stellte.

Stolz empfindet die Schulleitung darüber, dass die Abiturprüfungen trotz der extremen Rahmenbedingungen reibungslos abgelaufen sind. Da sei es umso mehr eine Freude, dass durch die Lockerungen der Schutzmaßnahmen nun doch noch eine feierliche Zeugnisübergabe in der Alten Mälzerei möglich geworden ist. Von „Ende gut, alles gut“, wollten zum jetzigen Zeitpunkt aber weder Jochen Herkert noch seine Stellvertreterin Marion Stoffel sprechen. Ungewissheit besteht weiterhin mit Blick auf den Start des neuen Schuljahres im Herbst. Im Falle einer erneuten Corona-Welle sei man dann aber zumindest besser vorbereitet.