Online-Lebensmittelhandel steckt noch in den Kinderschuhen

Eine Bestellung aus dem Online-Lebensmittelhandel im Rahmen des Tests von Mosbacher-Zeitung.de in einem Postpaket. Foto: frh

Wenig Auswahl und oft verspätete Lieferung – ein Test im Selbstversuch.

Von Frank Heuß

Zumindest in der Anfangsphase der Corona-Pandemie galt jeder Gang vor die eigene Haustüre als ein potenzielles Infektionsrisiko. Selbst wer nicht zur Arbeit muss oder im „Home-Office“ tätig sein kann, muss essen und trinken. Supermärkte werden, weil dort eben fast jeder in gewissen Zeitabständen aufschlägt, zu einem möglichen Virenumschlagplatz. Da liegt es nahe, um die Häufigkeit des Gangs zum Supermarkt zu minimieren, auf Lieferdienste zurückzugreifen. Soweit man nicht oder nicht ausschließlich die ehrenamtlichen Einkaufsdienste für Risikogruppen in Anspruch nehmen kann oder will, bieten sich neben lokalen Lieferdiensten inzwischen auch überregionale Online-Shops im Lebensmittelbereich an.

Und deren viele sind durch ihren Filialbetrieb keine Unbekannten. Einige Handelsketten bieten via Browser oder App auf Smartphones und Tablets den virtuellen Lebensmitteleinkauf von länger haltbaren Produkten an. Geliefert wird der Einkauf postalisch oder zur Abholung in einer ausgewählten Filiale. Doch die Auswahl im Internet zeigte sich in unserem Test während der Extremphase des „Lock-Down“ in der Corona-Krise als noch ziemlich beschränkt. Schnell sein war dabei eine Grundvoraussetzung, um die Wunschprodukte zu bekommen. Meist waren nur geringe Mengen zur Bestellung verfügbar. Mitunter lagen die Produkte bereits im Warenkorb und verschwanden wieder – wohl, weil ein anderer Nutzer schneller seine Bestellung bestätig hat.

Die Lieferung selbst ließ ebenfalls mitunter wochenlang auf sich warten. Meist war ein ungefähres Lieferdatum von wenigen Werktagen angegeben. Fast alle Anbieter (deren Namen hier aus Gründen der Rechtssicherheit nicht genannt wird), bei denen wir im Selbstversuch für jeweils rund 30 Euro unterschiedliche Standard-Lebensmittel bestellten, überschritten dies jedoch deutlich. Zur Vermeidung von Missverständnissen sei erwähnt, dass in aller Regel der Hinweis vor Absendung der Bestellung angezeigt wurde, dass es wegen der derzeit hohen Nachfrage zu Lieferverzögerungen kommen kann.

Die Pakete, die schließlich ankamen, machten insgesamt einen ordentlichen Eindruck. Die Waren kamen meist gut verpackt an, wenn auch in manchen Fällen viel Plastik zur Polsterung eingesetzt wurde. Bei anderen wurde mutmaßlich umweltfreundlicheres Füllmaterial aus Papier verwendet. Lediglich in einem Fall war ein Trinkbeutel mit einem Fruchtsaftkonzentrat beim Transport geplatzt, der dann den Boden des Lieferungskartons durchnässte. Die Mindesthaltbarkeitsdaten entsprachen grob dem, was zu erwarten war – die Produkte konnten also gut für längere Zeit eingelagert werden.

Was die Preise betrifft, sind es ganz überwiegend nicht wirklich „Schnäppchen“ gewesen. Die Kosten der Online-Bestellung bewegen sich, selbst wenn kein Versand berechnet wurde, eher leicht oberhalb der Preise in Supermarkt-Filialen. Insgesamt lässt sich sagen, dass der Online-Lebensmittelhandel zwar Potenzial hat, aber gewissermaßen noch in den „Kinderschuhen“ steckt. Ohnehin können selbstredend nur Produkte mit langer Haltbarkeit dort angeboten werden – zumindest, soweit die Lieferung über normalen Postversand erfolgt.