Als „Richter Gnadenlos“ verstand er sich nie

Richter Dr. Alexander Ganter trat Ende November 2019 in den Ruhestand. Foto: frh

Richter Dr. Alexander Ganter pensioniert.

Mosbach. (frh) Er ist für seine oft am obersten Rand angesetzten Strafmaße überregional bekanntgeworden. Berüchtigt aber auch gefürchtet bei Angeklagten wie Strafverteidigern ist seine straffe Prozessführung. Nach über 36 Jahren im höheren Justizdienst ist Richter Dr. Alexander Ganter Ende November 2019 in den Ruhestand gegangen. Bis auf eine einjährige Abordnung an den Strafsenat des Oberlandesgerichts Karlsruhe war er seit 1987 durchgehend am Landgericht Mosbach tätig. Im Juni 1998 wurde er hier vorsitzender Richter und im September 2010 Vizepräsident.

Ganz einfach fällt es dem promovierten Juristen nicht, aus dem Berufsleben auszuscheiden. „Ich bin Gott dankbar, dass ich so einen spannenden und verantwortlichen Beruf ausüben durfte“, sagt der gläubige Christ. Er erlebte spektakuläre Fälle, bei denen es etwa um Rockergruppen oder um großfamiliäre Strukturen organisierter Kriminalität ging. Mit der im Volk erworbenen Bezeichnung als „Richter Gnadenlos“ sah er sich nie wirklich beschrieben, da Urteile doch immer „im Namen des Volkes“ ergehen und sich in dem Rahmen bewegen, den das Gesetz vorgibt. Die „familiäre Atmosphäre“ in Mosbach wollte der gebürtige Wertheimer nicht aufgeben und blieb seinem Einsatzort treu. Alexander Ganter gestaltete sein Leben jenseits der Richterrobe keineswegs nur für sich und seine Familie: Der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder engagiert sich auch ehrenamtlich. Für die CDU saß er von 1999 bis 2014, als er nicht erneut kandidierte, im Mosbacher Gemeinderat und war überdies Stadtverbandsvorsitzender seiner Partei. Noch heute führt er den Landesvorsitz der Juristenvereinigung in der CDU Baden-Württemberg. Bei den Kommunalwahlen im Mai dieses Jahres trat er als Kreistagskandidat an – und errang aus dem Stand heraus ein Mandat im Wahlkreis Mosbach-Neckarzimmmern.

Kommunalpolitik ist aber nicht die einzige Aufgabe, die Alexander Ganter für die Zukunft noch reizt. Juristische Fachpublikationen gehören ebenfalls dazu: „Das Buch ist fast fertig“, kündigt er eine Veröffentlichung an, die im kommenden Jahr im renommierten Verlag C.H. Beck erscheinen soll und sich um Ganters juristisches Steckenpferd der zügigen Verhandlungsführung im Kontext der Strafprozessordnung dreht. Am Landgericht Mosbach steht mit Dr. Barbara Scheuble derweil bereits Ganters Nachfolgerin fest.