Einblicke in den freien Journalismus vermittelt

Einige Zeitungsformate hatte der freie Journalist Frank Heuß den Schülerinnen und Schülern des Seminarkurses Journalismus am Auguste-Pattberg-Gymnasium als Anschauungsmaterial mitgebracht. Foto: APG /zg

Freier Journalist Frank Heuß referierte beim Seminarkurs Journalismus am Auguste-Pattberg-Gymnasium.

Neckarelz. (pm/red) Wem es um Wahrheit geht, wer unangenehme Fragen stellt und unbeeinflusst berichtet, hat es nicht immer leicht. Vorwürfe gegenüber Journalisten, Handlanger der „Lügenpresse“ zu sein, „Fake News“ zu verbreiten oder gar keine „richtige Arbeit“ zu leisten, ist heute nicht mehr so selten. Für freie Journalisten wie Frank Heuß, die für mehrere Medien tätig sind, ist diese Entwicklung abfallender Wertschätzung nicht einfach. Andererseits sieht Heuß in seiner Selbständigkeit auch ein enormes kreatives wie objektivierendes Potential. Im Seminarkurs Journalismus am Auguste-Pattberg-Gymnasium (APG) referierte er dieser Tage – wie auch schon bei zwei Jahrgängen zuvor – aus der Praxis eines Freiberuflers der „schreibenden Zunft“.

„Ich habe keinen Chef und bin nicht weisungsgebunden“, erklärt Heuß, wie er sich in seinem Presse- und Schriftstellerbüro mit mehr individueller Freiheit als etwa fest angestellte Redakteure einer Zeitungsredaktion organisiert. Will man im Geschäft bleiben, bestehe gewisse Abhängigkeit aber dennoch, wo doch der Kreis der Auftraggeber gerade im ländlich geprägten Raum Mosbachs beschränkt sei. Natürlich müsse man als freier Journalist ebenso sein Brot verdienen und die Konkurrenz schlafe auch bei „freischaffenden Künstlern“ am Markt nie. „Wer als Journalist gute Arbeit leisten will, muss sauber recherchieren und über ein breites Wissen auf ganz unterschiedlichen Gebieten verfügen“, so Heuß.

Den Schülerinnen und Schülern verdeutlichte er aber auch, dass sich die meisten freien Journalisten im beruflichen Alltag aus Kostengründen um wirklich alles selbst kümmern müssen: Da gibt es kein Sekretariat für Terminplanung, keine Agentur zur Gewinnung neuer Aufträge und kein Büro, das sich etwa um Honorarabrechnungen und Buchhaltung kümmern könnte. Beiträge zur Künstler-Sozialkasse, für berufliche Versicherungen oder auch zur Deutschen Journalisten-Union (dju), die den Presseausweis ausstellt, müssen ebenso erwirtschaftet werden, wie ausreichend Rücklagen für Verdienstausfälle etwa im Krankheitsfall. Eben darin liege der Grund, warum freie Journalisten häufig noch verwandte Berufsfelder besetzen – so ist Frank Heuß beispielsweise auch als Werbeschriftsteller für Unternehmen tätig.

Spannende Arbeitstage, die sich nie so genau planen und voraussehen lassen, seien aber garantiert. Und „ein ganz besonderes Gefühl“ stelle sich ein, so Heuß, „wenn man seinen Namen zu einem Beitrag in der Zeitung liest.“ Wie wichtig eben diese Empfindung über das finanzielle Honorar hinaus ist, zeigte Heuß anhand einiger Artikel aus seinem Archiv. So manche Anekdote konnte er dazu ebenfalls erzählen. Viele Menschen kennenzulernen und immer wieder Neues zu erfahren, gehöre zu den schönsten Seiten seines Berufs. Einige Ausgaben regionaler und überregionaler Zeitungen hatte er den Schüler/innen als Anschauungsmaterial mitgebracht.

Die Kursstufenschüler aus dem Seminarkurs am APG empfanden den authentischen Einblick in die Arbeit von Frank Heuß als interessant und aufschlussreich. Gymnasiallehrer Thomas Lorenz und der stellvertretende Schulleiter German Miksch moderierten im Anschluss eine Fragerunde, von der die Schüler/innen rege Gebrauch machten.