„Mosbach war einmal lokaler Pionier für Klimaschutz“

Einen Vortrag unter dem Titel „Umweltwandel – global denken, lokal handeln“ hielt Dr. Hans Günter Brauch (vorne l.) bei der Mosbacher SPD, für die MdL Georg Nelius (vorne r.) die Moderation der Diskussionsrunde übernahm. Foto: Frank Heuß

Dr. Hans Günter Brauch referierte bei der Mosbacher SPD – „Global denken, lokal handeln“.

Mosbach. (frh) Umwelt- und Klimaschutz in Zusammenhang mit weltweiter Friedenspolitik gehört seit Jahrzehnten zu den Forschungsdisziplinen von Dr. Hans Günter Brauch. Der aus Reichenbuch stammende Politikwissenschaftler hat viele internationale berufliche Stationen durchlaufen. Als Privatdozent unterrichtete er Studierende an Universitäten, verfasste Berichte und Gutachten für politische Institutionen und gab mehrere Fachbücher heraus. Seit über 50 Jahren Mitglied der SPD, kam er gerne dem Wunsch der Partei nach, für einen Vortrag unter dem Titel „Umweltwandel – global denken, lokal handeln“ zur Verfügung zu stehen.

Hans Günter Brauch, der heute wieder in Mosbach lebt, begann seine Ausführungen am aktuellen Geschehen mit dem Klimapaket der Bundesregierung. „Ohne ,Fridays for Future‘ hätte es dieses Gesetz wahrscheinlich gar nicht gegeben“, stellte er anerkennend für die jugendlichen Aktivisten fest. Es sage bereits etwas aus, dass es erst eine damals 15-jährige Schwedin namens Greta Thunberg brauchte, um die weltweite Politik an die Dringlichkeit des Handelns zu erinnern. Jedoch fügte Brauch direkt hinzu, dass die junge Generation „nicht nur demonstrieren, sondern auch konkrete Ideen entwickeln“ sollte. Bedauern äußerte er dabei, dass keine lokalen Vertreter der „Fridays for Future“-Bewegung der Einladung gefolgt waren, mit denen er „gerne ins Gespräch gekommen“ wäre. Als unumstößlich belegt betrachtet er, dass der Klimawandel „von Menschen gemacht“ ist. Trotz aller urzeitlich normalen Klimaschwankungen sei der Zusammenhang von globaler Erwärmung zum massiven Anstieg der Emissionen von Treibhausgasen wissenschaftlich nachgewiesen. Ursächlich sei der industrialisierte Lebensstil mit ungezügeltem Verbrauch von Ressourcen. Und eben darin liege auch der Ausgangspunkt, umzusteuern: „Veränderung muss in den Köpfen beginnen“. Es müsse jedoch im Balanceakt des Umbruchs politisch sichergestellt werden, dass nicht die Arbeitnehmer und sozial Schwächeren existenziell dafür bezahlen, erörterte Brauch.

Für die Stadträtinnen und Stadträte im Publikum hatte der Referent ebenfalls einige Anregungen mitgebracht. „Mosbach war lange lokaler Pionier für den Klimaschutz“, erinnert sich Brauch. Schon in den 90er-Jahren habe man hier über die Stadtwerke auf erneuerbare Energien gesetzt und Möglichkeiten zur Energieeinsparung bei öffentlichen Einrichtungen ausgelotet. Heute seien aber von Bestandsaufnahmen und Zukunftskonzepten mit Blick auf Klimaziele noch zu wenig erkennbar. „In Mosbach können wir die Welt nicht retten“, machte er klar – dennoch gebe es Chancen, etwas beizutragen, die man ergreifen sollte. Im Anschluss an den mit reichlich Applaus bedachten Vortrag konnte der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, MdL Georg Nelius, eine ausgiebige Diskussionsrunde moderieren. Verbunden mit Dank für den kenntnisreichen Vortrag überreichten die beiden Vorsitzenden des Mosbacher SPD-Ortvereins, Stadträtin Kim Schuck und der Lohrbacher Ortsvorsteher, Stadtrat Norbert Schneider, einen Präsentkorb an Dr. Hans Günter Brauch.