Die urige Destille funktioniert noch bestens

Germann Hennrich (vorne r.) vom Assulzer Hof in Alfeld trat bei Dr. Karsten Weber (l.) in Neckarelz zum Schnapsbrennen auf einer uralten Destillier-Anlage an. Foto: Frank Heuß

Dr. Karsten Weber nutzte Spirituosen-Brennrecht des ehemaligen Gasthauses „Anker“.

Neckarelz. (frh) Die behördliche Erlaubnis, einen Branntwein zu erzeugen, ist nach bisherigem deutschen Recht an eine Immobilie gebunden. Ein solches Recht liegt auch noch heute auf dem ehemaligen Gasthaus „Anker“ in der Martin-Luther-Straße nahe der alten Elzmündung in Neckarelz. Mindestens einmal in zehn Jahren nutzt Dr. Karsten Weber dieses Brennrecht mittels einer geradezu historischen Destillier-Ofenanlage, die sich noch heute in funktionsfähigem Zustand im Anbaubereich seines Anwesens befindet. Wie alt dieser Brennofen genau ist, konnte selbst der passionierte Heimatforscher Weber nicht herausfinden. Wahrscheinlich ist, dass die Destille direkt mit dem 1742 geschaffenen Anbau in den ehemaligen Gastronomiebetrieb von 1729 kam.

Auf einem alten Holzschild an der Wand liest man in Sütterlin-Schrift „Blase No. 1“. Wesentlicher Bestandteil ist der sogenannte „Helm“ aus Kupfer, der auf einer Öffnung an der Oberseite des etwas ovalförmig anmutenden, massiven Steinofens aufzubringen ist und das verdunstende „Destillat“ auffängt. Den zu dieser urigen Form der Spirituosenerzeugung nötigen Fachmann fand Karsten Weber in Germann Hennrich vom Assulzer Hof (Allfeld). Hennrich zeigte sich sofort begeistert von der Destille, wie man sie heute fast nur noch in Museen antrifft.

Hergestellt wurde mittels Feinbrand, ausgehend von insgesamt etwa 120 Litern Most, ein auf circa 43 Prozent Alkoholgehalt verdünnter Apfelschnaps. Ob die Anlage in Zukunft noch einmal in Betrieb genommen wird? „Ab 2027 gilt europäisches Recht. Dann erlischt das Brennrecht auf der alten Immobilie und eine Person, die allerhand Bedingungen erfüllen muss, wird gegebenenfalls Brennrecht-Inhaber“, erklärte Dr. Karsten Weber dazu. Vor dem vergangenen Sonntag hatte er zuletzt 2012 von dem Recht Gebrauch gemacht.