Wenn der Konjunkturboom einmal zu Ende geht…

Von Frank Heuß.

Schon seit etwa zehn Jahren zeigt die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland steil nach oben. Nahezu täglich gibt es neue Meldungen, wie hervorragend die Wirtschaft läuft, wie wenig Arbeitslose es gibt, wie sich die Leute immer mehr leisten können. Man könnte meinen, man habe das Ei des Kolumbus gefunden und die Bäume wachsen jetzt in den Himmel – viele Unternehmen planen auf Jahrzehnte hinaus mit massiven Umsatzsteigerungen und Personalbedarf, der auf dem eigenen Markt gar nicht abzudecken ist. Es scheint alles immer weiter zu gehen und dabei immer noch besser, noch mehr, mehr und mehr zu werden.

Nun lehrt aber die Geschichte, dass die Konjunktur schon immer wellenförmig verlief. Es hat beinahe den Charakter eines Naturgesetzes, dass auf einen Boom ein Abschwung und dann auch eine Rezession folgt, bevor wieder ein Aufschwung möglich ist. Und hier beginnen viele Fragen: Wie lange soll die gegenwärtige Phase noch anhalten? Sie besteht in gegebenem Ausmaß bereits längst weit über den bisher gekannten Zeitrahmen hinaus. Wie schnell und wie steil wird es danach bergab gehen? Wichtiger noch: Wie hoch ist die Fallhöhe der Menschen heute, wenn sie ihren Arbeitsplatz unvorhergesehen verlieren? Was kann der Staat noch tun, wenn die nächste richtige Krise schlagartig kommt, weil finanzpolitische Seifenblasen platzen?

Nichts ist derzeit so „uncool“ wie Sparen – man bekommt ja schließlich auch keine Zinsen mehr für sein Geld. Wer seine Kindheit in den 80er- und 90er-Jahren erlebte, der weiß, welche Bedeutung die Eltern damals dem Ansparen von Geld beigemessen haben und wie jeder Weltspartag zelebriert wurde. Ganz selbstverständlich haben die Menschen Rücklangen für schlechtere Zeiten gebildet. Heute rechnet zumindest bei den Jüngeren kaum noch jemand damit, dass der Lebensstandard mal nicht mehr steigt, sondern sinkt. In den letzten zehn Jahren fand bereits eine gewaltige Geldentwertung statt: Nicht wenige elementare Güter kosten Endverbraucher heute näherungsweise den doppelten Preis. Über Zinspolitik ist kaum mehr was zu machen, weil die Zinsen bereits bei Null liegen. Öffentliche Investitionen könnten ganz schnell austrocknen, wenn die Steuern nicht mehr derart sprudeln. Zumindest Grund zur sorgsamen Vorausplanung sollte es nicht zuletzt für die Politik sein, wenn der „Werkzeugkasten“ zur Reparatur des Konjunkturmotors immer leerer wird, während sich an vielen Stellen bereits erkennbare Instabilität abzeichnet.


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