„Exorbitante Baukosten“ hindern neuen Wohnraum

Präsident der GdW Bundesverbands, Axel Gedaschko, kam auf Sommertour in den Neckar-Odenwald-Kreis.

Neckarelz. (frh) Die Baugenossenschaft (BG) Familienheim Mosbach konnte dieser Tage den Präsidenten des GdW Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Axel Gedaschko, in ihren Räumlichkeiten in der Heidelbergstraße begrüßen. Der frühere Wirtschaftssenator der Stadt Hamburg kam im Rahmen seiner Sommertour zu einer Fachtagung vorbei, an der neben Vertretern aus der lokalen Wohnungswirtschaft auch Abgeordnete und Bürgermeister teilnahmen.Gedaschko selbst bekam während seines zweitägigen Aufenthalts mehrere Immobilienobjekte vor Ort gezeigt. Am Rande der Fachtagung war zu einer Pressekonferenz geladen worden.

Dass Baugenossenschaften heute anders als früher nicht mehr gemeinnützig sind, machte Thomas Jurgovsky, Vorstand der BG Familienheim Buchen-Tauberbischofsheim, bei der Pressekonferenz gleich eingangs deutlich. „Ein Drittel für Wohnen, zwei Drittel für Leben“, sei die Normalrechnung für einen Haushalt – somit müsse der Haushalt bei den meisten Neubauwohnungen für rund 700 Euro Miete im Raum Buchen mindestens 2.100 Euro Nettoeinkommen aufweisen, machte Jurgovsky eine einfache Rechnung auf. Wo aber sollen die Leute wohnen, die weniger haben? „Da ist die Frage, wer dafür zuständig ist“, antwortete er bezogen auf den sozialen Wohnungsbau mit einem Verweis an die Politik. Und Dr. Klaus-Dieter Roos, Vorstandsvorsitzender beim Familienheim Mosbach, ergänzte, dass der konzeptionelle Ansatz der Baugenossenschaften unterschiedlich sei: „Wir haben mehrere Sozialleistungsempfänger“, so Roos. Dennoch sah auch er viele Schwierigkeiten in der aktuellen Marktsituation: „Die Baukosten sind exorbitant hoch“ unterstreicht er, denn circa 3.000 Euro pro Quadratmeter koste derzeit die Schaffung neuer Wohnfläche.

Wohnraum wird dringend benötigt, wie die Verbandsdirektorin des Verbands baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Sigrid Feßler verdeutlichte: „Es müssten jährlich rund 65.000 Wohnungen im Land gebaut werden, 2017 waren es gerade mal die Hälfte“. Was aber können ländliche Städte und Gemeinden für mehr Wohnraum zu erschwinglichen Preisen tun? Ein wesentlicher Teil der Lösung seien die Bürger selbst, denn häufig gäbe es Widerstand, wenn in der eigenen Nachbarschaft höher gebaut oder etwa durch Geschossaufsatz nachverdichtet werden soll. Wenn „der politische Wille“ besteht, könnte eine kommunale „Allianz für Wohnungsbau“ alle Interessensträger samt Mietervereine zusammenholen, empfahl Gedaschko.


Zum Beitragsbild (oberhalb der Überschrift): Im Rahmen seiner Sommertour kam der Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Axel Gedaschko (r.), zu einer Fachtagung ins Familienheim Mosbach. Auf dem Foto v.l.: Klaus-Dieter Roos, Sigrid Feßler, Thomas Jurgovsky, Axel Gedaschko. Foto: frh