30 Kunstwerke von Edit Bán-Kiss werden gezeigt

Ausstellungs-Eröffnung am 20. Jahrestag der Gründung der KZ-Gedenkstätte Neckarelz

Neckarelz. (pm/red) Man sieht schmale Frauen in blaugrau-gestreifter Kleidung, schwer arbeitend, erschöpft, geschlagen oder um eine kleine wärmende Flamme geschart. Das „Album Déportation“ der Budapester Künstlerin Edit Bán-Kiss drückt das Leid der KZ-Haft unmittelbar aus, doch verrät die malerische Behandlung auch ein geschultes Auge und kompositorische Meisterschaft. Die KZ-Gedenkstätte Neckarelz zeigt diesen Gemäldezyklus von 30 Gouachen (ein wasserlösliches Farbmittel unter Zusatz von Kreide) ab dem 28. Januar 2018 in Reproduktionen im Seminarraum (die Originale konnten aus Sicherheitsgründen nicht eingebracht werden).

Doch in welchem Zusammenhang steht die Geschichte von Edit Bán-Kiss mit den KZ-Außenlagern um Neckarelz, die doch reine Männerlager waren? Edit Bán-Kiss, geboren 1905, die in den 20er Jahren in Budapest und Düsseldorf Bildhauerei studiert hatte, wurde im Herbst 1944 wegen ihrer jüdischen Herkunft aus Budapest verschleppt. Nach kurzer Haftzeit im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück kam sie im Dezember 1944 ins KZ-Außenlager „Daimler-Benz Genshagen“. Dieses Lager war direkt im Keller einer Produktionshalle des größten deutschen Motorenwerks in Ludwigsfelde/Kreis Teltow eingerichtet worden; das Werk hatte 1.100 KZ-Frauen angefordert, um die Endmontage von Flugzeugmotoren auszuführen. Die eigentliche Fertigung der Motoren war im August 1944 unter dem Tarnnamen „Goldfisch“ in unterirdische Gipsstollen bei Obrigheim/Neckar verlagert worden. Diese Verlagerung führte in unserer Region zur Gründung der KZs am Neckar; die „Frauen von Genshagen“ bildeten praktisch das andere Ende der Produktionskette. Der Berliner Autor und Filmemacher Dr. Helmuth Bauer hat das Schicksal dieser Frauen in 20jähriger akribischer Arbeit erforscht, rekonstruiert und mehrere Dutzend Überlebend ausfindig gemacht. Er entdeckte auch in London das „Album Déportation“ von Edit Bán-Kiss und sicherte es für die Nachwelt. Der Bilderzyklus mit 30 Gouachen stellt eine der frühesten künstlerischen Bearbeitungen der Deportation dar, die Künstlerin malte ihn unmittelbar nach der Befreiung um Sommer 1945.

Die Ausstellung wird am Samstag den 27. Januar 2018 um 14.30 Uhr offiziell eröffnet – hierzu sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Besondere Gäste sind Edit Bán-Kiss‘ Schicksalsgenossin Alicja Kubecka aus Warschau sowie Helmuth Bauer aus Berlin. Dieser Tag ist gleichzeitig der 20. Jahrestag der Gründung der KZ-Gedenkstätte Neckarelz. Die Ausstellung wird von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und der Gleichstellungsbeauftragen des Neckar-Odenwald-Kreises unterstützt. Die Daimler-Benz AG stellt speziell für diesen Anlass einen Katalog her. Die Kunstwerke sind vom 28. 1. bis 18. 3. 2018 sonntags zu den üblichen Öffnungszeiten der Gedenkstätte von 14 bis 17 Uhr zu sehen; jeden Sonntag um 15.30 Uhr findet dazu eine spezielle Führung statt. Der Eintritt in die Ausstellung ist frei – Besuche von Gruppen sind nach vorheriger Vereinbarung zu verschiedenen Zeiten möglich (vorstand@kz-denk-neckarelz.de).