Eine Möglichkeit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Die Gemeinschaftsschule Obrigheim stellt sich als Ganztagsgrundschule neu auf – „durchdachtes pädagogisches Konzept“

Obrigheim. (pm/red) Spätestens der Eintritt des eigenen Kindes in die Schule stellt viele Eltern vor ein großes Problem. Waren die Kinder im Kindergarten oder im Hort bis 16 Uhr oder länger betreut, kommen sie jetzt bereits spätestens um 14 Uhr nach Hause. Wie soll man das als berufstätige Eltern auffangen?

Zwar gibt es an manchen Schulen die Möglichkeit der Betreuung bis in den frühen Abend, jedoch ist Betreuung für Schulkinder einfach zu wenig. Sie haben Hausaufgaben, müssen sich auf Arbeiten und Tests vorbereiten oder Präsentationen üben. Dies kann und muss eine Betreuung nicht leisten, zudem ist sie mitunter mit hohen Kosten verbunden. Und die Hausaufgaben bleiben hier trotzdem die zeitintensive Hauptaufgabe der Eltern bis in den Abend.

Anmeldungen auch von außerhalb des Schulbezirks möglich

Diesem Problem stellt sich die GMS Obrigheim ab dem neuen Schuljahr 2017/2018. Sie bietet Eltern an, ihr Kind für die Ganztagesgrundschule anzumelden. Dabei spielt es keine Rolle, welche Klassenstufe das Kind besucht. Für den Ganztagesunterricht kann jedes Kind der Klassenstufe 1 bis 4, auch außerhalb des Schulbezirkes Obrigheim, verbindlich angemeldet werden. „Ganztag“ bedeutet, dass die Kinder an vier Tagen (Montag-Donnerstag) von 8 bis 16 Uhr in der Schule verbleiben. Dort gibt es auch die Möglichkeit, in der Mensa ein warmes Mittagessen zu erhalten. Freitags endet der Unterricht um 12 Uhr beziehungsweise um 12.50 Uhr.

Das Schulgebäude der Gemeinschaftsschule Obrigheim, die im neuen Schuljahr 2017/18 mit einem modernen pädagogischen Konzept der Ganztagesgrundschule aufwartet. Foto: frh

Was unterscheidet die Ganztagesgrundschule von einer Ganztagesbetreuung?

Hinter der Ganztagesgrundschule Obrigheim steht ein durchdachtes pädagogisches Konzept. Dieses ermöglicht, dass die Kinder am Nachmittag beziehungsweise in ausgewählten Stunden am Schulvormittag Zeit haben, gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern ihre Aufgaben zu bewerkstelligen. Was früher als Hausaufgabe mit nach Hause genommen wurde, wird nun in der Schule erledigt. Ebenso wird mit den Kindern nicht Verstandenes geübt und sie können die Zeit nutzen, um sich auf Klassenarbeiten vorzubereiten. Das Kind ist also, wenn der Unterricht um 16 Uhr endet, mit der Schule fertig und kann gleich die freie Zeit genießen.

Rhythmisierung

Zum pädagogischen Konzept gehört jedoch nicht nur sitzen und lernen. Der Schultag wird schüler- und lerngerecht rhythmisiert. Das bedeutet, im Tagesablauf ist ein regelmäßigerer Wechsel von Anspannung und Entspannung eingeplant. Das Lernangebot wird auf den Vor- und Nachmittag verteilt, die Bewegungsorientierung im Unterricht und in den längeren Pausen wird groß geschrieben. Darüber hinaus gibt es genügend Zeiten in denen die Kinder individuell lernen können. Rhythmisierung bedeutet eine Entschleunigung des Schulbetriebes.

Die Kinder haben natürlich auch die Möglichkeit gemäß ihrer Interessen und Neigungen sich für Arbeitsgemeinschaften anzumelden. Diese Angebote sind, wie das komplette Ganztagskonzept, außer dem Mittagessen, für die Eltern natürlich kostenlos. In den Arbeitsgemeinschaften gibt es Möglichkeiten, sich sportlich auszutoben, sich künstlerisch und musikalisch zu betätigen, handwerklich aktiv zu werden oder einfach nur zur Ruhe zu kommen. Die Kinder erfahren hier die Schule als Lern- und Lebensraum und gewinnen zusätzlich zum Lernzuwachs vielfältige soziale Erfahrungen, die das Leben in einer Gemeinschaft erleichtern und bereichern.

Vielfältige Förderung

Der Förderung der Selbstständigkeit wird hier ebenfalls große Bedeutung beigemessen. Mit Unterstützung werden die Grundschüler nach und nach dazu angeleitet, Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übernehmen. Das Kind erhält Hilfe, wo es nötig ist, aber es wird ihm auch etwas zugetraut. Dies stärkt das Selbstvertrauen.

Die Ganztagsgrundschule Obrigheim bringt also viele Vorteile. Auch Studien, wie zum Beispiel die Steg-Studie, belegen zudem, dass an gebundenen Ganztagsschulen der Anteil der Kinder, die am Bildungssystem scheitern, deutlich geringer ist, die Zahl der Sitzenbleiber gegen null geht und die Lernergebnisse besser sind. Das Familienleben entwickelt sich, wie von vielen Eltern befürchtet, nicht negativ, wenn Kinder regelmäßig die Ganztagsschule besuchen. Im Gegenteil. Das Ergebnis der Studie zeigt, dass sich Eltern und Kinder sogar besser verstehen. Gleiches gilt für Untersuchungen aus der Schweiz. Es wird nicht nur besser gelernt, auch das Sozialverhalten ist besser, die Alltagsfertigkeiten sind höher und auch der Ausgleich sozialer Nachteile funktioniert besser.


Info: Interessierte Eltern können sich an die Schulleitung der Gemeinschaftsschule Obrigheim wenden. Erreichbar ist die Schule unter der Telefonnummer 06261/670860.


Zum Beitragsbild (oberhalb der Überschrift): Fortschrittliche Unterrichtsformen mit Rhythmisierung will die Gemeinschaftsschule Obrigheim in Gestalt der Ganztagesgrundschule  umsetzen. Foto: Gemeinschaftsschule Obrigheim / pm